Der Patriarch von Bayreuth

Der Tod eines Patriarchen - Wolfgang Wagner. Gestern wurde er überschwänglich gewürdigt, auch der Bundespräsident kondolierte. Die großbürgerliche Hochkultur trauert um den Enkel dees Komponisten, einen autoritären Herrscher, aufbrausend, unberechenbar und egozentrisch. Der "Grüne Hügel" mit dem Festspielhaus wäre immer Stoff für eine Kultur-Dallas-Serie gewesen. Wolfgang Wagner hat die Nazi-Vergangenheit aus den heiligen Hallen vertrieben und Bayreuth neuen gesellschaftlichen Glanz verliehen mit Bundeskanzlerin, Showmastern, Ministerpräsidenten, Adel und Geldadel. Für Bayreuth war immer gesorgt, Staatsgelder und Subventionen der Großindustrie, die dafür reichlich mit Tickets versorgt wurde. Bayreuth als Mekka der Wagnerianer, die Plätze über viele Jahre im voraus blockiert, der Besuch ein Luxus. Exclusivität garantiert? Ein Image, das bewusst gepflegt wird. Das Einzigartige, Unverwechselbare.Nichts für normale Opernfans. Die Show wird fortgeführt, von den Töchtern, ausgestattet mit der Tatkraft des Alten und dem Wohlwollen der Herrschaften. Für Wagner-Freunde gibt es seit langem einen Trost: Inszenierungen des Ring, der  Meistersinger, von Tristan, dem Fliegenden Holländer,Lohengrin, Parzifal und dem Sängerkrieg auf der Wartburg gibt es mittlerweile an vielen großen - und selbst an Opernhäusern fernab der Metropone wie Dessau oder Weimar, nicht selten erstklassig, zuweilen interessanter, spannender, preiswerter.

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