DDR-Geschichte(n) - meine DDR

Deutsch - deutsche Geschichten

Meine und unsere DDR - Vergangenheit, die intensive Beschäftigung über Jahrzehnte ist die Basis für eine Reihe bei Deutschlandradio Kultur in der Sendung Zeitfragen am Mittwoch. Beiträge von sechs Minuten Länge. Bisher im Programm: Clärchens Ballhaus in der Auguststrasse in Ostberlin / Die Päckchen nach drüben - von West nach Ost und von Ost nach West/ Der Blues von Buschdorf - eine Fluchtgeschichte aus der DDR bis nach Fidschi und zurück in den Oderbruch / Wie Sai Baba nach Ostberlin kam. Als nächste Beiträge folgen: Flucht durch das Minenfeld und Die ersten Freien Wahlen der Volkskammer in Ostberlin.

Vor dem Palast der Republik
Vor dem Palast der Republik

Januar 1983: Ende und Anfang - nach dreieinhalb Jahren in der DDR kurz vor der Ausreise. Der "Staatsfeind" muss die Deutsche Demokratiscge Republik innerhalb von 48 Stunden verlassen. Er wird wiederkommen- bald, in sechs Jahren.

Robert Havemann bei der Arbeit zu seinem Buch"Morgen" - Foto: Harald Schmitt / Stern
Robert Havemann bei der Arbeit zu seinem Buch"Morgen" - Foto: Harald Schmitt / Stern
Immer zu Dritt -Von der Stasi belauscht:  Im Gespräch mit Havemann - Foto: Harald Schmitt / Stern
Immer zu Dritt -Von der Stasi belauscht: Im Gespräch mit Havemann - Foto: Harald Schmitt / Stern

Der Kontakt mit ihm war strikt untersagt. Korrespondenten erhielten offiziell keine Genehmigung zu einem Besuch in der Burgwallstrasse in Grünheide bei Erkner. Robert Havemann und seine Familie standen über Jahre hinweg unter Hausarrest. Wir - Stern -Fotograf  Harald Schmitt und ich- waren kurz nach meiner Akkreditierung in der DDR 1979 zum ersten Mal bei ihm zu Gast und sind immer wieder zu ihm und seiner Frau Katja zurückgekehrt. Vor uns hatten ihn die Professoren Hartmut Jäckel und Manfred Wilke aus Westberlin immer wieder besucht, bis ihnen die Einreise in "die Hauptstadt der DDR" untersagt wurde.

Robert Havemanns Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in der DDR, seine Systemkritik und seine unbeugsame Haltung, bedeuteten für viele Ermunterung auch aufzubegehren und Veränderungen zu fordern.

Abschied von der Wohnung in der Diplomaten- Platte, Leipziger Straße, Berlin-Ost. Kisten werden gepackt. Auszug. Strafe muss sein. Mit dem Artikel über die Kamikaze-Fahrt eines betrunkenen Ofensetzers in die Kolonne Erich Honeckers im Januar 1983, eine Story, die  im Stern als Titel zum "Attentat" erklärt wurde, bot sich endlich nach mehreren Androhungen, Forderungen der Stasi  und Versuchen der Fallenstellerei die Möglichkeit den renitenten Korrespondenten auszuweisen.

Zu zweit waren sie stark: Robert und Katja Havemann vor ihrem Haus in der Burgwallstrasse in Grünheide - von einer Stasi-Meute abgeschirmt, überwacht, abgehört. Zielpersonen des Geheimdienstes. Das Ziel der Vertreibung aus "dem ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden" in die "BRD" schlug fehl. Zwei Standhafte, die geblieben sind. Trotz alledem.

Der Pfarrer und der Schriftsteller:Rainer Eppelmann und Stefan Heym - Foto:Harald Schmitt/Stern
Der Pfarrer und der Schriftsteller:Rainer Eppelmann und Stefan Heym - Foto:Harald Schmitt/Stern

Rainer Eppelmann, Pfarrer in der Samaritergemeinde in Ostberlin, im Gespräch mit Stefan Heym. Heym brachte mit  seinen Romanen die DDR-Kulturbürokraten immer wieder in Schwierigkeiten. Im Osten wie im Westen anerkannt, gelang ihm ein Drahtseilakt - er blieb in der DDR und durfte doch gelegentlich "ins kapitalistische Ausland". Zum Interview für den "Stern" gab es ein Treffen in Norwegen. Ihn auszuweisen, konnte und wollte sich die DDR-Führung nicht leisten.

Die Opposition wird zur Massenbewegung
Die Opposition wird zur Massenbewegung

Mit den Jahren 1988 und 1989 war das Ende der DDR besiegelt. Überall regte sich Widerstand gegen Repressalien und Verhaftungen - ob bei der Rosa-Luxemburg-Demonstration oder nach den Verhaftungen von Mitgliedern der Umweltbibliothek in Ostberlin. 

1990 : Zum Interview bei Egon Krenz
1990 : Zum Interview bei Egon Krenz

Der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR: Egon Krenz: das SED-Chamäleon. Erst hatte er dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Beifall gezollt, dann wollte er als Kronprinz Erich Honecker beerben - es war zu spät. Er wurde bei den Großdemonstrationen in  Berlin als böser Wolf mit den großen Zähnen karikiert.  Nach dem Fall der Mauer gab er sich als liberaler Sozialist, der eine andere offenere  DDR geplant habe. Wir haben mit ihm für eine TV-Reihe über die Geschichte der DDR ein Interview geführt, in dem er sich konziliant gab und erklärte, die Idee sei richtig gewesen, nur in der Praxis seien Fehler gemacht worden. Krenz wusste damals noch nicht, daß er bald als einer der Verantwortlichen wegen des Schießbefehls zu einer Haftstrafe verurteilt werden würde - Jahre, die er zum Teil als Freigänger überstand. Seither ist er mit seinem Buch zur DDR als ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden auf Lesereise unterwegs  - mit großem Erfolg bei vielen alten Genossen.Auf dem Bild das Team im Vorgespräch bei Egon Krenz zu Hause - seine Frau bei der Arbeit, der

Redakteur schenkt Kaffee ein.....

 

Juli 2010: Geburtstag von Ralf Hirsch in Ferch. Wiedersehen im Garten mit alten und neuen Freunden , unter ihnen Marianne Birthler, Rainer Eppelmann, Ulrich Schwarz, dem DDR-Korrespondenten in der DDR.
Ralf Hirsch - die Biografie eines Oppositionellen, dessen Verbrechen seine Suche nach Wahrheit und Alternativen, seine Forderung nach einem demokratischen Sozialismus  war. Als er in der Schule den plakativen Parolen widersprach und nachfragte wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen und er kam, wie viele Jugendliche zur Umerziehung nach Torgau. Doch die Indoktrination blieb ohne Erfolg. Hirsch fand zur evangelischen Kirche, trug das Emblem "Schwerter zu Pflugscharen", wurde Bausoldat. Immer wieder verhaftet, gab es für ihn schließlich nur die Wahl zwischen Gefängnis und Ausreise.
1981 gab er mir ausführliche Informationen über die Drangsal der "Bausoldaten". Daraus entstand ein "Stern"-Bericht mit dem Titel:"Wir sind der letzte Dreck".

Ralf Hirsch (rechts) und Roland Jahn(links)
Ralf Hirsch (rechts) und Roland Jahn(links)

Roland Jahn ist mittlerweile Nachfolger von Marianne Birthler und Joachim Gauck als Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde. Er hat zu Ralf Hirschs Geburtstag sicher bereits von seiner Kandidatur gewusst. Eine gute Wahl, die einigen, gerade in der SPD, mißfällt. Egon Bahr und Wifelspütz, zwei Männer, die den Umfang der Überwachung, Unterdrückung und Verfolgung in der DDR nicht ermessen können, poltern gegen Jahn, weil er die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter in dieser Behörde als unerträglich empfindet. Jahn weiß darum, wie nur wenige, weil er sich selbst gegen Unterdrückung widersetzt hat und die Folgen tragen musste. So wie Rainer Eppelmann, wie Jürgen Fuchs, wie Bärbel Bohley, wie viele andere.  Nein, die Geschichte läßt sich nicht abhaken.

Auch nicht für mich. Das Manuskript über meine Zeit zwischen 1979 und 1983 ist fertig. Meine Titelidee war: Rückkehr in die DDR. Manfred Wilke rät zu "Heimat und Fremde". Ich halte das für eine gute Idee.